PKV Publik Ausgabe 04/2008
MEINUNG
Die nie enden wollende Geschichte
Die zum 1. April 2008 erschienene Studie eines Kölner Instituts zu den Wartezeiten der Versicherten und Patienten ist für mich ein erneuter Beweis für die geplante und gezielte Fehlinformation zur Entwicklung im Gesundheitswesen durch die Politik. Hier soll erneut ein Keil zwischen Versicherte und Patienten einerseits sowie Mediziner andererseits getrieben werden. Derzeit gibt es nach meiner Beurteilung folgende Klassen der Krankenversicherung:
- GKV mit einfachem Leistungsstandard
- GKV mit verbessertem Standard
- GKV, Leistungen alte Bundesländer
- GKV, Leistungen neue Bundesländer
- Personen, die sich keine Versicherung leisten können oder Sozialamtsleistungen erhalten
- Private Krankenversicherung
Die Ausgangslage der unterschiedlichen Klassen liegt in der Gesamtentwicklung der gesetzlichen Krankenkassen. Obwohl seit Beginn der 70er-Jahre feststand, dass die Struktur des Gesundheitssystems in allen Bereichen einer erheblichen Veränderung bedarf, wurde seitens der vielfältigen Gesundheitsreformen – aus meiner Sicht „Reformen der Mangelverwaltung von Krankheit“ – nur die Rationierung von Leistungen und die Rationierung von Vergütungen realisiert. Dies wurde nachhaltig forciert durch die Einführung von gedeckelten Budgets.
Gleichzeitig haben wir im Gesundheitssystem die erfreuliche Entwicklung, dass die Innovationen der Technologie und der Medizin dazu führen, dass Versicherte und Patienten erheblich fortschrittlicher und erfolgreicher behandelt und schneller in das Arbeitsleben zurückgeführt werden können. Die Menschen werden älter und bleiben dabei auch noch aktiv. Das müsste eigentlich dazu führen, dass die Behandler und die Institutionen der gesundheitlichen Versorgung wegen ihrer Leistungsstärke gelobt werden.
Das Gegenteil ist der Fall: „Die Ärzte denken nur an den wirtschaftlichen Vorteil – die Kliniken sind zu schlecht organisiert – die Pflege leistet schlechte Qualität – und die Patienten müssen lange auf einen Termin oder eine Behandlung warten.“ Solche Fehlinterpretationen von Teilen der Politik, der Wissenschaft und Publizistik sind eine ungerechtfertigte Ohrfeige für die Menschen, die sich als Behandler nachhaltig für das Wohl der Versicherten und Patienten einsetzen.
Die Gesetzgebung der letzten Jahre und die in den kommenden 18 Monaten auf uns zukommenden Gesetze und Verordnungen werden die Mangelverwaltung verschärfen. Die Einführung von immer mehr Bürokratie in der medizinischen und pflegerischen Versorgung verschlingt nicht nur Finanzmittel, sondern auch personelle Ressourcen, die für die Behandlung der Patienten fehlen. Die Überschreitung von Verordnungsmengen durch den einzelnen Mediziner kann zu Regressansprüchen führen. Entsprechend wird sich eine Vielzahl von Behandlern zur Limitierung der eigenen Leistungen zwingen müssen – dies führt erneut zur Ausweitung der Wartezeiten.