PKV Publik Ausgabe 02/2008
MEINUNG
Demografie begünstigt Gesundheitssparte
Die Gesundheitssparte in Deutschland hat sich zwischen 1996 und 2006 immer mehr zum Zugpferd der Wirtschaft entwickelt. In diesem Zeitraum stiegen die Ausgaben in diesem Bereich von 195 Mrd. Euro auf 248 Mrd. Euro. Das Wachstum von insgesamt 27 Prozent war um drei Prozentpunkte stärker als die Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Branche ist schon seit längerem der größte Wirtschaftsbereich. So ist die Beschäftigtenzahl von 4,3 Mio. höher als die der Automobilindustrie und die der Elektroindustrie. Die Ausgaben für Gesundheit kommen auf einen Anteil am BIP von knapp 11 Prozent. Damit belegt Deutschland weltweit den vierten Platz hinter den USA, der Schweiz und Frankreich.
Wachstumstreiber der zunehmenden Gesundheitsausgaben ist unter anderem die alternde Gesellschaft. 2006 waren von den gut 82 Mio. Einwohnern 16,3 Mio. oder knapp 20 Prozent über 65 Jahre alt. Bis 2015 dürfte nach unserer Prognose dieser Anteil auf 21 Prozent steigen – das wären 1,3 Mio. Menschen in dieser Alterskohorte mehr. Noch bemerkenswerter ist die Entwicklung bei den über 80-Jährigen. Heute leben in Deutschland etwa 3,8 Mio. Menschen dieser Altersgruppe; 2015 dürften es 4,8 Mio. sein (plus 30 Prozent). Für den Gesundheitsmarkt bedeutet dies, dass in Zukunft verstärkt Produkte und Dienstleistungen gegen altersbedingte Erkrankungen nachgefragt werden. Beispielsweise gibt in Deutschland heute ein 70-Jähriger im Durchschnitt fünfmal mehr für Medikamente aus als ein 45-Jähriger.
Zwar fällt ein großer Teil der Gesundheitsausgaben in der Lebensphase vor dem Tode eines Menschen an – unabhängig von der Lebenserwartung entstehen im letzten Lebensjahr so genannte Sterbekosten. Aber andere Gesundheitsausgaben bei chronisch Kranken entstehen nicht zuletzt als Folge des medizinischen Fortschritts auch in jüngeren Jahren und nehmen mit steigender Lebenserwartung zu.
Dies gilt auch für Ausgaben im Rahmen der „personal care“, die infolge des wachsenden Gesundheitsbewusstseins und dank höherer Einkommen an Bedeutung gewinnen. Die steigenden Ausgaben für gesundheitsnahe Leistungen zeigen, dass eine zunehmende Zahlungsbereitschaft für eine bessere Gesundheit und ein ansprechendes Aussehen gegeben ist. Eitelkeit wird immer mehr zum Impulsgeber. Was früher von den alten Menschen als unvermeidliche Alterserscheinung akzeptiert wurde, nehmen sie heute nicht mehr so ohne weiteres hin. Hier eröffnet sich ein riesiger Markt gegen altersbedingte körperliche Einschränkungen. Die Schönheitschirurgie hat sich in Deutschland zu einem Milliardengeschäft entwickelt. So wird im Gesichtsbereich eine Vielzahl von operativen Eingriffen angeboten. Lifestyle-Drugs kurieren keine lebensnotwendigen Krankheiten, sondern sollen in erster Linie Wohlbefinden und Aussehen der Konsumenten verbessern. Bis 2010 dürften Anti-Falten-Mittel, Fettreduzierer und Potenzmittel hohe Wachstumsraten aufweisen. Auch eine wachsende Zahl von Zahnärzten spezialisiert sich derzeit auf den lukrativen Sektor der ästhetischen Zahnkorrekturen.
Diese Entwicklungen sind ein Indiz dafür, dass die Gesundheitsausgaben auch künftig schneller als das BIP zunehmen dürften.