ARZNEIMITTEL
Eine Untersuchung der Arzneimittelausgaben von Privatversicherten durch das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) zeigt, dass die PKV anteilig mehr für HIV-Therapeutika ausgibt als die gesetzliche Krankenversicherung (GKV).
Die Immunschwächekrankheit Aids, die durch das HI-Virus verursacht wird, ist in vielen Ländern der Welt eine der häufigsten Todesursachen.In Deutschland waren im Jahre 2006 circa 56.000 Menschen mit HIV infiziert. Dass diese Krankheit hierzulande nicht mehr in dem Maße im Blickpunkt steht wie in den 90er Jahren, sollte nicht die Sicht darauf verdecken, dass die Zahl der Neuinfektionen in den letzten Jahren erneut gestiegen ist.
Überproportional viele HIV-Infizierte sind privat krankenversichert. Während laut Zahlenbericht 2005 des Verbandes der PKV auf 100.000 Personen der Gesamtbevölkerung 56,36 HIV-Infizierte entfallen, kommen auf die gleiche Zahl privat Vollversicherter 65,38 Infizierte.
Um die Arzneimittelversorgung von privatversicherten HIV-Infizierten zu beschreiben, analysierte das WIP die Arzneimittelumsätze von HIV-Therapeutika bei vier PKV-Unternehmen. Die Zuordnung der Medikamente erfolgte unter Anwendung der anatomisch-therapeutisch- chemischen Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die zum Vergleich herangezogenen Zahlenwerte der GKV stammen aus dem aktuellen Arzneiverordnungsreport.
Die Analyse ergab, dass die PKV-Unternehmen im Jahr 2005 etwa 2,0 Prozent ihrer Arzneimittelausgaben für HIVMittel aufwendeten. Die GKV zahlte 1,3 Prozent ihres Arzneimittelumsatzes für derartige Medikamente. Damit gibt die private Assekuranz anteilig deutlich mehr für HIV-Therapeutika aus als die GKV.
Bei Betrachtung der Verordnungsanteile ändert sich nur wenig. Auf HIV-Therapeutika entfallen in der PKV 0,17 Prozent der Verordnungen, in der GKV 0,12 Prozent. Aus denen im Vergleich zu den Umsatzanteilen geringen Verordnungszahlen wird im Übrigen deutlich, dass HIVTherapeutika zu den teuersten Mitteln zählen. Der Preis einer Verordnung liegt häufig zwischen 400 und 500 Euro, bei einigen Mitteln schlagen sogar Kosten im vierstelligen Bereich zu Buche.
Die Wirksamkeit der Medikamente hat sich in den letzten Jahren stetig verbessert, so dass die Zahl der Sterbefälle zurückgedrängt werden konnte. Als erster Wirkstoff gegen HIV wurde 1987 Zidovudin eingeführt. Seit 1996 kann die Entwicklung der Viren mit einer Kombination aus mehreren Substanzen verzögert werden. In den letzten vier Jahren sind sechs neue Wirkstoffe auf dem Markt erschienen. Mittlerweile stehen dem Arzt etwa 20 antiretrovirale Substanzen zur Verfügung. Dabei gibt es kein dominierendes Medikament. Für die Standardtherapie wird in der Regel auf eine Kombination zurückgegriffen.
Die meisten Umsätze, nämlich etwa 14 Prozent aller HIV-Therapeutika, entfallen bei der PKV auf das Präparat Combivir mit den Wirkstoffen Lamivudin und Zidovudin. Einen Prozentpunkt dahinter platziert sich Trizivir (Wirkstoffe Abacavir, Lamivudin, Zidovudin). Umsatzstärkstes Monopräparat ist Sustiva mit dem Wirkstoff Efavirenz. Höhere Umsatzzahlen verzeichnen auch die neueren Präparate Viread (2002 eingeführt) und Reyataz (seit 2004 auf dem Markt). Reyataz mit dem Wirkstoff Atazanavir ist bei der PKV nach Umsätzen das drittwichtigste neue Medikament des Jahres 2004. wi