PKV UND GKV
Unabhängig von den im Rahmen der verschiedenen Reformen des Gesundheitssystems beschlossenen Maßnahmen gehen rund drei Viertel der Bevölkerung davon aus, dass im Verlauf der kommenden zehn Jahre weitere Reformen des Gesundheitssystems notwendig sein werden. Dabei werden die Erwartungen in zunehmendem Maße von weiter steigenden Belastungen in Form steigender Kassenbeiträge und erhöhter Zuzahlungen bei Medikamenten bei gleichzeitiger Reduzierung der Leistungen bestimmt. Jeweils mehr als 80 Prozent der Bevölkerung gehen davon aus, dass die gesetzlichen Krankenkassen ihre Beiträge weiter erhöhen werden und dass Patienten sich an den Kosten für Medikamente künftig stärker beteiligen müssen. Zugleich sind mehr als 70 Prozent davon überzeugt, dass die Krankenkassen mittelfristig nur noch die Kosten für die medizinische Grundversorgung übernehmen können. Zwei Drittel rechnen damit, dass eine Gesundheitsversorgung auf dem heutigen Niveau nicht mehr für die gesamte Bevölkerung gewährleistet werden kann. 78 Prozent erwarten, dass sich immer mehr eine Zweiklassen-Medizin herausbilden wird.
Das Vertrauen in die Politik, diesen Entwicklungen mit geeigneten Reformmaßnahmen entgegenzuwirken und damit langfristig eine gute Gesundheitsversorgung für alle sicherzustellen, ist nur gering und hat in den vergangenen Jahren weiter abgenommen. Bereits vor zwei Jahren ging nur knapp jeder Vierte davon aus, dass mit entsprechenden Maßnahmen eine Sicherung der Gesundheitsversorgung gelingen kann, inzwischen glauben das nur noch 17 Prozent. Umgekehrt äußern sich aktuell rund drei Viertel der Bevölkerung prinzipiell skeptisch.
Vor dem Hintergrund dieser pessimistischen Erwartungen ist zugleich das Vertrauen, im Krankheitsfall ausreichend abgesichert zu sein, spürbar zurückgegangen. Aktuell sind 57 Prozent der Bevölkerung überzeugt, dass ihre jetzige Krankenversicherung voll und ganz ausreicht, um alle notwendigen Leistungen in Anspruch nehmen zu können. 2005 betrug dieser Anteil noch 64 Prozent. Dieser Rückgang ist vor allem auf die pessimistischere Einschätzung der gesetzlich Krankenversicherten zurückzuführen, von denen inzwischen mehr als jeder Dritte den eigenen Versicherungsschutz zumindest in Teilbereichen skeptisch beurteilt. Nach wie vor beurteilen die privat Krankenversicherten ihre Situation deutlich günstiger: Über 80 Prozent sind davon überzeugt, dass ihr Versicherungsschutz im Krankheitsfall voll und ganz genügt.
Nach Überzeugung der breiten Mehrheit der Bevölkerung bieten die privaten Krankenversicherungen generell eine bessere Absicherung als die gesetzlichen Krankenkassen beziehungsweise die Ersatzkassen. Lediglich 19 Prozent gehen davon aus, dass die gesetzlichen Kassen einen besseren Schutz bieten. Erwartungsgemäß wird diese Einschätzung vor allem von den privat Versicherten selbst geteilt, aber auch 61 Prozent der gesetzlich Versicherten sind von der Überlegenheit eines privaten Krankenversicherungsschutzes überzeugt.
Das prinzipielle Interesse unter den gesetzlich Versicherten, unabhängig vom Einkommen in eine private Krankenversicherung zu wechseln, hat in den vergangenen Jahren zwar signifikant zugenommen, ist allerdings gering. Für lediglich 22 Prozent, auch unter Personen, die über ein weit überdurchschnittliches Haushaltseinkommen von monatlich 3.000 Euro und mehr verfügen, käme ein Wechsel in eine private Krankenversicherung prinzipiell in Betracht.
Die Motive für einen Wechsel liegen erwartungsgemäß vor allem in der Überzeugung, als privat Versicherter im Krankheitsfall besser behandelt zu werden. Diese Überzeugung äußert sich in vielen Facetten. Für jeweils rund 90 Prozent der gesetzlich Versicherten, die gerne wechseln würden, steht fest, dass man als Privatpatient generell in vieler Hinsicht bessergestellt ist und dass man auch Leistungen bezahlt bekommt, die von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet werden. 80 Prozent sind überzeugt, als Privatpatient auch Medikamente verschrieben zu bekommen, auf die Kassenpatienten keinen Anspruch haben. Drei Viertel gehen davon aus, dass man in den Arztpraxen bevorzugt behandelt wird. Auch der Anspruch auf ein Ein- oder Zweibettzimmer im Fall eines Krankenhausaufenthaltes und die Möglichkeit, den behandelnden Arzt selbst aussuchen zu können, werden von der großen Mehrheit als Motive für einen Wechsel genannt. Für 59 Prozent spielt zudem der Wunsch, künftig weniger von den Entscheidungen des Gesetzgebers abhängig zu sein, eine wichtige Rolle. Einher geht dies mit der Überzeugung, dass man als Privatpatient generell unabhängiger ist und mehr Freiheiten hat. Allerdings ist das Vertrauen, dass der Leistungsumfang auch langfristig gewährleistet ist, nur gering. Nur 29 Prozent sind der Überzeugung, dass die vereinbarten Leistungen auch in Zukunft garantiert sind.
Auch diejenigen gesetzlich Versicherten, die einen Wechsel für sich ausschließen, sind in der Regel von der Überlegenheit der PKV überzeugt. Gegen einen Wechsel sprechen aus ihrer Sicht aber vor allem Kostengründe und eine verbreitete Unsicherheit über die künftige Entwicklung der Beiträge. 67 Prozent der gesetzlich Versicherten sind überzeugt, dass eine private Krankenversicherung für sie zu teuer wäre.
Vor allem Personen, bei denen noch eigene Kinder im Haushalt leben, sehen in der Tatsache, dass Familienangehörige nicht automatisch mitversichert sind, einen Nachteil. Auch die Sorge, dass es kurzfristig zu stärkeren Beitragserhöhungen kommen oder dass man bei einer Verschlechterung der eigenen Einkommenssituation und vor allem im Rentenalter die Beiträge nicht mehr aufbringen könnte, wird von vielen geteilt. Unsicherheiten über die Entwicklung des Leistungsumfangs einer privaten Krankenversicherung spielen bei den wenigsten eine Rolle. Nur 30 Prozent sind der Ansicht, dass man sich nicht sicher sein kann, wie die Leistungen in Zukunft aussehen werden.