EDITORIAL
Liebe Leserinnen und Leser,
die Lektüre von Branchentests und Meinungsumfragen ist bekanntlich nicht immer ein reines Vergnügen. Doch in jüngster Zeit gab es aus diesen Quellen gleich mehrere hilfreiche Hinweise. So meldete der vielzitierte Brancheninformationsdienst „map-report“: Die Eigenmittel der Krankenversicherer erfüllen die Anforderungen der Aufsichtsbehörden um mehr als das Doppelte. Sein Fazit: „Während Deutschlands Banken mehrstellige Milliardenzuwendungen vom Staat brauchen, um ihre Geschäfte weiter betreiben zu dürfen, sind die Versicherer fast die Musterknaben der Aufsichtsbehörde BaFin.“
Zu den Branchen, die den „Stresstest“ der Finanzkrise nicht bestanden haben, gehört eindeutig die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Denn mindestens 3 Milliarden Euro Defizit müssen in diesem Jahr nach ihren eigenen Angaben von der Staatskasse übernommen werden. Hinzu kommen in den nächsten Jahren mehr als 28 Milliarden Euro schuldenfinanzierte Bundeshilfe, um künstlich die Beiträge zu senken. Die Menschen spüren längst, dass das umlagefinanzierte System der gesetzlichen Krankenkassen an seine Grenzen stößt.
Das zeigen auch die Ergebnisse der groß angelegten Umfrage des Allensbach-Instituts für den „MLP Gesundheitsreport 2009“: 80 Prozent der repräsentativ Befragten äußerten für die nächsten 10 Jahre die Erwartung, dass die gesetzliche Krankenversicherung immer teurer wird. Stark verbreitet ist auch die Sorge, aus Kostengründen auf notwendige Behandlungen verzichten zu müssen – mit einem bemerkenswerten Unterschied: Dies befürchten 45 Prozent der gesetzlich, aber nur 13 Prozent der privat Versicherten.
Besonders erfreulich für die PKV: 90 Prozent ihrer Versicherten fühlen sich im Krankheitsfall gut abgesichert. Die Zahl ist in den letzten Jahren sogar noch etwas gestiegen (2005 waren es 89 Prozent). Von den gesetzlich Versicherten fühlen sich hingegen nur 58 Prozent gut abgesichert, zwei Prozentpunkte weniger als 2005.Die Politik sollte diese Hinweise in der nächsten Wahlperiode beherzigen, wenn es um weitere Weichenstellungen für die Zukunft des Gesundheitssystems geht. Wie die verschiedenen Parteien dabei die Rolle der privaten Krankenversicherung sehen, hat PKV-Publik in Interviews mit den gesundheitspolitischen Sprechern aller Bundestagsfraktionen erfragt.
Mit freundlichen Grüßen, Ihr
Dr. Volker Leienbach
Direktor des Verbandes der privaten Krankenversicherung e.V.