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PKV PUBLIK AUSGABE 6/2010

PFLEGE

Zentrum für Qualität in der Pflege eröffnet

Die unabhängige Stiftung stellt ihre Forschungsergebnisse kostenlos zur Verfügung und will die Politik beraten.


Die Stifung „Zentrum für Qualität in der Pflege“ ist in Berlin feierlich eröffnet worden. Und sofort stellte sie eine neue Studie zur Selbst­bestimmung im Alter vor.

Die Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesgesundheitsministeriums, Annette Widmann-Mauz, fügt letzte Puzzleteile in das Stiftungslogo ein.

Unter großer Aufmerksamkeit der Gesundheitspolitik und der Pflege-Fachszene ist in Berlin das neue „Zentrum für Qualität in der Pflege“ (ZQP) feierlich eröffnet worden. Diese unabhängige und gemeinnützige Stiftung initiiert und finanziert multidisziplinäre Forschungsprojekte zur Verbesserung der Qualität in der Pflege. „Wir wollen über Fachgrenzen und Berufsgruppen hinweg die führenden Experten aus Pflegepraxis und Wissenschaft mit den Betroffenen sowie Verbraucher- und Patientenorganisationen in unsere Arbeit einbinden“, erläuterte der Vorstandsvorsitzende des ZQP, Dr. Ralf Suhr.


Das ZQP wurde vom Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) ins Leben gerufen und mit dem nötigen Stiftungskapital ausgestattet. PKV-Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach hob in seiner Eröffnungsrede hervor, das ZQP gestalte seine Arbeit völlig unabhängig von den Versicherungen. Die Stiftung stelle die Forschungsergebnisse kostenlos der Öffentlichkeit zur Verfügung und wolle damit vor allem die Politik beraten.


Als „Stiftung, die Wissen vernetzt“ charakterisierte die frühere bayerische Sozialministerin Christa Stewens das ZQP. Die Landtagsabgeordnete und erfahrene Gesundheitspolitikerin engagiert sich als Vorsitzende des Stiftungsrates. Selbstbewusst und zuversichtlich sagte Stewens voraus: „ZQP, das wird ein Begriff werden in Deutschland.“ Sie hob hervor, dass die Stiftung als „Plattform“ für Betroffene und Experten rund um das Thema Pflege dienen solle. Stewens betonte, dass „annähernd 100 Prozent aller Betroffenen“ in ihrer häuslichen Umgebung gepflegt werden wollten. Dies stelle vielfältige Anforderungen an die künftige soziale Infrastruktur, die über die klassischen Grenzen der Gesundheitspolitik weit hinausgingen.


Die Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesgesundheitsministeriums, Annette Widmann-Mauz, gratulierte bei dem Festakt zum Start des ZQP: „Hier ist das ,Who is who’ der Pflege in Deutschland versammelt.“ Die Stiftung versammle in ihren beratenden Gremien eine beeindruckende Fachkompetenz aus Wissenschaft und Praxis. „Sie haben die Szene vernetzt.“ Widmann-Mauz dankte dem Zentrum für Qualität in der Pflege ausdrücklich für den praxisbezogenen Ansatz seiner Arbeit. „Sie wollen von den Bedürfnissen der Betroffenen her wissenschaftliche Ansätze anstoßen und vernetzen.“ Mit der Kombination von Expertenwissen, Qualitätsstandards und Transparenz für die betroffenen Menschen könne es gelingen, die Qualität in der Pflege nachhaltig zu steigern und für die Zukunft zu sichern.


Die Staatssekretärin appellierte, Deutschland müsse schon heute Vorkehrungen für den absehbaren Fachkräftemangel in der Zukunft treffen, der auch die Pflegeberufe stark betreffen werde. Daher komme es auf gute Arbeitsbedingungen an, damit die Pflege im Wettbewerb mit anderen Berufen besser mithalten könne. Widmann-Mauz verwies auch auf den Trend, dass immer mehr alte Menschen ihrerseits Ältere pflegen. „Sie sind besonders angewiesen auf gute Beratung und Unterstützung in wohnortnahen Strukturen.“


Der Staatssekretär des Bundesfamilienministeriums, Josef Hecken, gratulierte der Stiftung „zu dieser mutigen Idee“ einer vernetzten Arbeit über Ressortgrenzen hinweg. „Wenn wir Pflege als eine rein technische Verrichtung behandeln würden, ohne eine Infrastruktur im sozialen und familiären Umfeld, kann es nicht gelingen“, mahnte Hecken. Vom multidisziplinären Ansatz des ZQP, das sich nicht auf die medizinischen Aspekte der Pflege beschränke, erhoffe er sich wertvolle Hinweise auf frühzeitige Vorkehrungen schon vor dem Eintreten des Pflegefalls. „Es nützt nichts, zu warten, bis ein Anspruch auf Pflegeleistungen aus dem SGB XI besteht.“ Hecken sagte dem ZQP die Unterstützung des Familienministeriums zu.


Parallel zur Eröffnung ihrer Büroräume stellte das ZQP eine von ihr in Auftrag gegebenen Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa zur Selbstbestimmung im Alter vor. Zentrales Anliegen der Menschen ist es demnach, das Leben im Alter aktiv nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.


Ausdruck dafür ist der Wunsch, auch über das Rentenalter hinaus arbeiten zu wollen. Rund 40 Prozent der Männer und immerhin 27 Prozent der Frauen gaben an, länger ihrem Beruf nachgehen zu wollen. Dieses Ziel ist jedoch keine Frage des Geldes – zwischen Arm und Reich zeigen sich kaum Unterschiede. Vielmehr ist der Wunsch, im Rentenalter weiter zu arbeiten, auch Ausdruck eines Bedürfnisses nach Selbstbestimmung.


95 Prozent der Befragten wollen im Ruhestand finanziell unabhängig sein und den Alltag frei gestalten können. Auch auf ein starkes soziales Netz legen die Deutschen großen Wert. Mehr als 90 Prozent wünschen sich enge Kontakte zu ihrer Umwelt.


„Unsere Studie belegt: Die Bundesbürger sind im Hinblick auf ihren Ruhestand anspruchsvoller geworden. Sie wollen ihr Leben selbst bei schwerer Krankheit und Pflegebedürftigkeit eigenverantwortlich gestalten“
, sagt Ralf Suhr. „Das hat große Auswirkungen auf die Pflege. Gerade im Bereich der ambulanten Hilfe müssen die Angebote vielfältiger, kreativer und zugleich besser auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden. Denn nur ein breites Spektrum möglichst hochwertiger Unterstützungsleistungen ermöglicht es vielen Bundesbürgern, länger selbst aktiv zu bleiben.“


Das Zentrum für Qualität in der Pflege im Internet: www.zqp.de

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