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Ganz nah dran
Wie die private Pflegeberatung COMPASS den Menschen hilft
Seit Januar 2009 ist die private Pflegeberatung COMPASS flächendeckend im Einsatz. Bereits im ersten Jahr führten die rund 200 Pflegeberater über 41.000 Gespräche. Ein Blick in ihren Alltag zeigt das breite Spektrum des Aufgabengebiets.
16:15 Uhr, Birgit Klein steigt aus ihrem dunkelblauen COMPASS-Fiesta. Ein liebevoll restauriertes Fachwerkhaus in einem Winzerdorf im Fränkischen. Sie trifft heute zum zweiten Mal Familie Wegner. Die 71-jährige Mutter ist dement. Sohn und Schwiegertochter fühlen sich mit der Situation überlastet. Beide sind berufstätig, der Vater ist im vergangenen Jahr gestorben, Mutter Irmgard tagsüber auf sich alleine gestellt.
Rita und Peter Wegner stecken in der Zwickmühle. Eigentlich möchten sie Mutter Irmgard zu Hause versorgen. Doch häufig geht dies über ihre Kräfte. „Gestern“, erzählt Rita, „hat sie Kannen voller Kaffee gekocht und dann alle Tassen im Haus gefüllt.“ Eine Stunde war sie mit Spülen und Wegräumen beschäftigt, sagt Rita. Und dabei würde die OP-Schwester gerne nach der Arbeit einfach mal die Füße hochlegen. Inzwischen überlegt sie jedoch schon auf dem Heimweg, was Mutter Irmgard heute wieder angestellt haben könnte, dass sie hoffentlich nicht gestürzt ist oder sich anderweitig verletzt hat. Mit Pflegeberaterin Birgit Klein will das Ehepaar heute besprechen, wie sie Entlastung für sich schaffen und gleichzeitig eine gute Betreuung für die 71-Jährige organisieren können. Rita und Peter Wegner beschäftigt auch die Frage, was aus der Mutter werden soll, wenn sie in einigen Wochen in den Sommerurlaub fahren.
18:30 Uhr, Birgit Klein verabschiedet sich von den beiden. Sie hat ein gutes Gefühl. Mehr als zwei Stunden hat sie gemeinsam mit dem Ehepaar beraten. Am Ende sind sich Peter und Rita Wegner einig: Sie wollen die Mutter zu Hause behalten. Gleichzeitig wollen sie sich jedoch auch Freiräume schaffen. Dazu werden sie die Unterstützung eines ambulanten Dienstes in Anspruch nehmen. Und für die Urlaubszeit wird die Mutter in einer Kurzzeitpflege untergebracht. Birgit Klein lässt dem Ehepaar auch die Adressen zweier Selbsthilfegruppen da. Mit diesen will Rita Wegner auf jeden Fall Kontakt aufnehmen. Und sie haben einen neuen Termin vereinbart. In zwei Wochen wird die Pflegeberaterin erneut vorbeikommen. In der Zwischenzeit steht sie Rita und Peter Wegner telefonisch zur Verfügung.
Das Ehepaar hatte von Freunden erfahren, dass sie sich mit ihren Fragen und Probleme an COMPASS wenden können. „Zunächst haben wir gezögert, jemand Fremden in unser Haus zu lassen und über die Probleme mit unserer Mutter zu sprechen. Aber inzwischen wissen wir, dass wir das Richtige getan haben“, sagt Peter Wegner. Der Finanzbeamte und seine Frau wollen COMPASS auf jeden Fall weiterempfehlen. Denn aus ihrem Bekanntenkreis wissen sie, dass viele Freunde ähnlich hilflos sind, wenn Vater oder Mutter pflegebedürftig sind.
Samstag, 13 Uhr. In der telefonischen Pflegeberatung meldet sich Corinna Spohn. Sie und ihr Mann sind übers Wochenende bei den Schwiegereltern in Hamburg. Die Schwiegermutter soll Dienstag aus dem Krankenhaus entlassen werden. Schlaganfall. Nun braucht sie zu Hause Unterstützung. Schwiegervater Helmut ist 82 und kann dies nicht alleine leisten. Kochen, Waschen, Putzen, das hat bislang die 75-Jährige alleine gemacht. Nun brauchen die beiden Unterstützung.
Welche Dienstleistungen können sie in Anspruch nehmen, wie wird dies finanziert und wo finden sie die passenden Anbieter? Das will Corinna Spohn von COMPASS-Beraterin Helga Espeter am Telefon wissen. Die Pflegeberater am Telefon sind von montags bis freitags von 8-19 Uhr erreichbar. Samstags ist die kostenfreie Servicenummer von 10 bis 16 Uhr besetzt. Helga Espeter klärt einige Fragen und gibt erste Hinweise. Dann vereinbart sie mit der Klientin, dass eine Pflegeberaterin vorbeikommt und gemeinsam mit der Familie nach Lösungen sucht – möglichst noch am gleichen Tag oder am Sonntag. Denn Montag müssen Corinna und Bernd Spohn schon wieder an ihren Arbeitsplätzen in Bremen sein.
13:35 Uhr, Helga Espeter informiert ihre Kollegin Bettina Siffczyk vor Ort in Hamburg. Die Teamleiterin übernimmt die Beratung selbst. Sie telefoniert mit Corinna Spohn und verabredet sich mit Kindern und Vater Helmut für den späten Nachmittag. In der Zwischenzeit schaut sich Bettina Siffczyk die Dokumentation ihrer Kollegin Helga Espeter aus der telefonischen Beratung an. Sie sieht, welche Fragen Corinna Spohn gestellt hat und welche Tipps und Hilfestellungen Helga Espeter der Anruferin bereits gegeben hat.
17:00 Uhr, Bettina Siffczyk sitzt im Wohnzimmer von Else und Helmut Spohn. Auf der Kommode stehen die gerahmten Fotos der Kinder und Enkel. Die Schwiegertochter, eine zierliche Frau Anfang 40, hat Kaffee gekocht. „Corinna, du weißt doch, dass ich nicht schlafen kann, wenn ich nach vier noch `nen Kaffee trink‘.“ Der alte Herr blickt sie streng an. „Es ist nicht immer einfach mit den alten Herrschaften. Sie haben ihre Gewohnheiten und wollen sich auch gar nicht mehr umstellen“, sagt Corinna Spohn nachher, als sie Bettina Siffczyk zur Tür bringt. Gemeinsam überlegen sie nun jedoch, wie es weitergehen soll, wenn die Mutter in der nächsten Woche aus dem Krankenhaus kommt. Sohn und Schwiegertochter wollen eine Pflegestufe für die Mutter beantragen. Bettina Siffczyk erklärt den Ablauf einer solchen Begutachtung und empfiehlt der Familie, sich diesbezüglich mit dem Versicherungsunternehmen in Verbindung zu setzen. Sie wird auch mit den Sozialarbeitern in der Klinik sprechen, damit der Übergang von dort nach Hause reibungslos klappt.
Else Spohn soll auch noch eine Rehabilitation machen. Vater Helmut möchte seine Frau auf eigene Kosten in die Reha-Klinik begleiten. Zunächst brauchen die Eltern zu Hause aber auch eine hauswirtschaftliche Unterstützung. Bettina Siffczyk wird am Dienstag, wenn Mutter Else aus dem Krankenhaus entlassen wird, wieder vorbeischauen. Für Bernd und Corinna Spohn ist das eine Entlastung und auch Beruhigung. Die Pflegeberaterin wird sie auch beim Ausfüllen des Antrags zur Pflege-Einstufung unterstützen und, falls die Kinder beruflich verhindert sind, auf deren Wunsch auch beim Begutachtungstermin selbst mit dabei sein.
Corinna und Stefan Spohn überlegen auch, die Eltern zu sich nach Bremen zu nehmen. Dort sind sie vor Ort und können sich kümmern. Da wird der alte Herr, der bislang in seinem Sessel saß und zugehört hat, plötzlich lebendig: „Ins Pflegeheim“, sagt Helmut Spohn, „gehen Else und ich auf gar keinen Fall.“ Auch mit der Idee der Schwiegertochter, nach Bremen umzusiedeln, will er sich nicht so recht anfreunden. „Wir wohnen jetzt seit fast 50 Jahren in unserem Häuschen und wollen auch hier bleiben. Hier sind unsere Kinder aufgewachsen, hier in der Siedlung haben wir Freunde.“
Die Kinder werden den Wunsch der Eltern akzeptieren und öfter von Bremen nach Hamburg kommen – wenn es die Arbeit zulässt. Corinna Spohn ist Grundschullehrerin. In den Ferien kann sie öfter mal zu den Schwiegereltern fahren. Aber ihr Mann ist selbstständig. Für ihn ist es schwer, sich Zeit freizuschaufeln. Bernds Schwester wird sich ebenfalls kümmern. Sie wohnt mit ihrer Familie in Kiel und ist nur an drei Tagen in der Woche berufstätig. Wenn es die Arbeit zulässt, will sie bei den Eltern vorbeischauen und sie unterstützen.
Corinna und Bernd Spohn sind durch den COMPASS-Flyer, den Vater Helmut bei den Versicherungsunterlagen abgeheftet hatte, auf die Pflegeberatung aufmerksam geworden. Für die beiden war nach kurzer Diskussion klar: „Da rufen wir an. Denn wo hätten wir sonst so schnell Hilfe herbekommen – zumal am Wochenende. Das hat uns die Organisation erheblich erleichtert“, sind sie zufrieden mit ihrer Entscheidung.
Lea ist neun. Seit sie drei ist, hat sie einen Hirntumor. Immer wieder muss sie ins Krankenhaus. Der Tumor kann nicht ganz entfernt werden, da die Gefahr, lebenswichtige Funktionen zu zerstören, zu groß ist. Leas Mutter Anja ist Vollzeit-Pflegekraft. Ihre Tochter braucht Betreuung rund um die Uhr. Für Sohn Tom bleibt oft zu wenig Zeit. Immer wieder muss die 37-Jährige mit der kranken Lea in die Klinik. Dann muss Tom bei Oma und Opa wohnen. Denn Anja Gablenz ist alleinerziehend. Neben der Pflege von Lea muss Anja auch den Haushalt organisieren und Tom bei den Hausaufgaben helfen. Für sich hat die 37-Jährige kaum mehr Zeit. Denn seit letztem Jahr kann Lea auch nicht mehr zur Schule gehen. Die kleinen Verschnaufpausen im anstrengenden Pflegealltag fallen nun für die Mutter ganz weg. Nun hat sich der Gesundheitszustand der kleinen Lea erneut verschlechtert. In der Selbsthilfegruppe, wohin Mutter und Tochter so oft wie möglich gehen, hat eine befreundete Mutter ihr die Visitenkarte von Stefan Arnold gegeben. Der Pflegeberater bei COMPASS war auch mehrmals bei ihr und ihrem Mann und hat sie zu Unterstützungs- und Entlastungsmöglichkeiten bei der Versorgung des krebskranken Sohnes beraten. Die Freundin ermutigt sie anzurufen. Am Telefon schildert Anja Stefan Arnold ihre Situation. Sie verabreden sich für den nächsten Vormittag, wenn Tom in der Schule ist. Anja Gablenz erzählt dem COMPASS-Pflegeberater von ihrem schlechten Gewissen Tom gegenüber. Sie würde gerne öfter etwas mit ihm unternehmen. Doch sie schafft es nur selten, sich eine Auszeit zu nehmen. Stefan Arnold schlägt vor, nach einem Platz im Kinderhospiz zu suchen, damit die 37-Jährige in den Ferien einige Tage mit dem Sohn verreisen kann. Nach Hamburg möchte der Zehnjährige. Die Containerschiffe im Hafen sehen, das ist derzeit sein größter Traum, erzählt Anja Gablenz. Diesen Wunsch will sie ihm doch gerne erfüllen. Stefan Arnold empfiehlt auch die Unterstützung durch den Kinderkrankenpflegedienst, da sich Leas Gesundheitszustand verschlechtert hat. Denn das Wichtigste für Mutter Anja ist, dass Lea zu Hause in der kleinen Wohnung in dem von ihr liebevoll eingerichteten Zimmer sein kann. „Hier geht es ihr am besten“, ist sie überzeugt. Stefan Arnold organisiert telefonisch einen Gesprächstermin mit der Leiterin des Pflegedienstes. Anja Gablenz bittet ihn, bei diesem Gespräch dabei zu sein, was der Pflegeberater gerne zusagt.
Kinderkrankenschwester Susanne oder eine ihrer Kolleginnen kommen inzwischen täglich zu der kleinen Familie und unterstützen Mutter und Sohn bei der Pflege von Lea. Denn auch der große Bruder fühlt sich für die kranke Schwester verantwortlich, hilft und unterstützt, wo er kann. Wie lange Lea dem Krebs noch Widerstand leisten kann, wissen die beiden nicht. Aber sie hoffen noch auf eine lange Zeit mit Lea – trotz der großen Belastung, die die Betreuung rund um die Uhr bedeutet.
Diese drei Fälle stehen beispielhaft für die mehreren zehntausend Beratungsgespräche, die die COMPASS-Mitarbeiter jährlich führen. Sie zeigen, wie wichtig eine aufsuchende Pflegeberatung für die Klienten ist. Das COMPASS-Modell ist daher eine vorbildliche Alternative zu den Pflegestützpunkten der gesetzlichen Pflegeversicherung, bei denen die Betroffenen selbst in die Pflegestützpunkte kommen müssen. Von den Pflegebedürftigen und deren Angehörigen, die bisher beraten wurden, wird das COMPASS-Angebot jedenfalls dankbar angenommen.
Weitere Informationen zu COMPASS im Internet: www.compass-pflegeberatung.de; Die telefonische Pflegeberatung erreichen Sie bundesweit kostenlos unter der Nummer 0800 101 88 00
Die Familie ist der Pflegedienst Nummer eins
Die meisten Menschen in Deutschland wollen im Pflegefall zu Hause versorgt werden. Das ist das Ergebnis der COMPASS-Versichertenbefragung unter 6218 Privatversicherten in Zusammenarbeit mit der Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie an der Berliner Charité-Universitätsmedizin, Professor Adelheid Kuhlmey. 79 Prozent der Befragten erwarten, dass Familienangehörige ihren Beitrag zur Pflege leisten. Den eigenen Partner sehen dabei 73 Prozent in der Pflicht. Wohingegen nur jeder Vierte die eigenen Kinder zur Pflege heranziehen würde. Sind die Befragten jedoch bereits pflegebedürftig, empfinden 52 Prozent einen Anspruch darauf, von ihren Kindern gepflegt zu werden. „Die Ergebnisse zeigen, dass Pflege in Deutschland weiterhin Familiensache ist“, sagt Elisabeth Beikirch, Geschäftsführerin von COMPASS Private Pflegeberatung GmbH. „Die Menschen wollen in ihrer vertrauten Umgebung von Menschen aus ihrem familiären Umfeld versorgt werden – mit Unterstützung von Profis. Und die jüngere Generation nimmt diesen Wunsch der Älteren an. Sie stimmen der pflegerischen Unterstützung durch die Familie am stärksten zu.“
Nicht einmal jeder Zehnte sieht hingegen die stationäre Einrichtung als Alternative zur Versorgung zu Hause. Gerade einmal acht Prozent wären bereit, in ein Pflegeheim umzusiedeln. Erst bei starker Belastung der Angehörigen steigt die Bereitschaft, in einer stationären Einrichtung zu leben. Männer sind insgesamt deutlich seltener zum Umzug in ein Pflegeheim bereit. 94 Prozent der männlichen Befragten lehnen dies für sich generell ab, die weiblichen Teilnehmer zu 89 Prozent.