GASTKOMMENTAR
Immenses Einsparpotenzial durch Ambulantes Operieren
Die Patienten wissen die Vorteile des Ambulanten Operierens zu schätzen und die Kostenträger haben weit niedrigere Rechnungen zu begleichen – was also hindert die Politik daran, diese Art der Eingriffe endlich konsequent zu fördern? Von Dr. med. Axel Neumann
Zwei aktuelle Studien belegen, was niedergelassene Operateure und Anästhesisten seit Langem wissen: Zum einen sind Patienten mit ambulanten Operationen hochzufrieden, weil Komplikationen und unerwünschte Krankenhauseinweisungen äußerst selten auftreten. Die auf einer dezidierten Patientenbefragung basierende Studie der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) zum Qualitätsprojekt Ambulantes Operieren, die von der Ludwig-Maximilian Universität in München wissenschaftlich begleitet und am 19. April 2010 in Berlin vorgestellt wurde, zeigt: 98 Prozent der Patienten würden sich bei Bedarf vorbehaltlos wieder einer ambulanten Operation unterziehen.
Die Qualität der prä- und postoperativen Beratung durch Operateur und Narkosearzt bewerteten die befragten Patienten durchgängig mit sehr gut, gleiches gilt für die Versorgung mit Schmerzmitteln nach der ambulanten Operation zu Hause. Die wissenschaftliche Untersuchung hat uns gezeigt, dass komplexe fachärztliche Versorgungsmaßnahmen wie ambulante Operationen nur dann adäquat bewertet werden können, wenn auch die Patientenmeinung fachbezogen erhoben wird. Die im Rahmen der Studie erfolgte externe arztunabhängige Auswertung der Daten durch das Patientenbefragungssystem AQS1 (Firma MedicalTex®) stellt eine hohe Datenqualität sicher.
Die Ergebnisse belegen die hohe Prozessqualität der untersuchten ambulanten Operationen (an der Leiste, an der Gebärmutter, an der Nase und an der Schulter) in vertragsärztlichen Operationszentren und die daraus resultierende hohe Patientenzufriedenheit.
Ebenso beeindruckend sind die Ergebnisse eines wissenschaftlichen Gutachtens zur ökonomischen Betrachtung des Ambulanten Operierens in Deutschland, das unser Verband bei dem renommierten Bayreuther Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Peter Oberender (Oberender & Partner) in Auftrag gegeben und ebenfalls am 19. April 2010 in Berlin vorgestellt hat. Hierbei wurden in einer mikro- und makroökonomischen Betrachtung die Kosten von 25 häufigen ambulanten Operationen aller Fachgebiete für den ambulanten und den stationären Sektor verglichen.
Das Gutachten von Prof. Oberender zeigt unter anderem, dass die arthroskopische Operation von Meniskusschäden am Kniegelenk – in anderen europäischen Ländern in 90 Prozent der Fälle eine ambulante Operation – in Deutschland nur zu 32,5 Prozent ambulant erbracht wird. Verglichen mit den Kosten des stationären Aufenthaltes könnten bei ambulanter Durchführung pro Fall rund 290 Euro eingespart werden. Bei konservativer Schätzung ließen sich allein bei dieser Eingriffsart jährlich 5,3 Millionen Euro einsparen, bei voller Ausschöpfung des Einsparpotenzials sogar bis zu 38,9 Millionen Euro. Für alle 25 betrachteten Operationsarten weist die Studie Einsparmöglichkeiten zwischen 26 bis zu 520 Millionen Euro aus. Die Gutachter empfehlen daher vorbehaltlos die verstärkte Nutzung der Möglichkeiten des Ambulanten Operierens.
Beide Studien finden Sie auf der Internetseite des Bundesverbandes für Ambulantes Operieren (BAO) unter www.operieren.de
Präsident des Bundesverbandes für Ambulantes Operieren e.V. (BAO)