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PKV PUBLIK AUSGABE 3/2010

KRANKENVERSICHERUNG

Eine dynamische Branche
Trotz Finanzkrise und der Hürden der jüngsten Gesundheitsreform wächst die private Krankenversicherung kontinuierlich
Immer mehr Menschen entscheiden sich für einen Voll- oder Zusatzschutz in der privaten Krankenversicherung. Dies zeigen die aktuellen Geschäftszahlen für das Jahr 2009.


Foto: Mann, der über Hürden springt

Die private Krankenversicherung (PKV) ist im Jahr 2009 trotz Finanzkrise und der Hürden der jüngsten Gesundheitsreform eindrucksvoll gewachsen. Das zeigen die aktuellen Geschäftszahlen: Insgesamt waren in der PKV zum Jahresende 8,81 Millionen Menschen vollversichert, das ist ein Plus von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Netto-Neuzugang in der Vollversicherung betrug 2009 175.100 Personen. Diese Zahl ist erfreulich. Um sie richtig einordnen zu können, muss man allerdings mehrere Sondereffekte berücksichtigen:

  • 46.500 Versicherte sind Nichtzahler, die bereits sechs Monate oder länger im Betragsrückstand sind. Sie wären nach altem Recht wegen Nichtzahlung ihrer Beiträge in der privaten ebenso wie in der gesetzlichen Krankenversicherung gekündigt worden, was seit der Gesundheitsreform nicht mehr möglich ist. Diese Kündigungen hätten die Netto-Zahlen entsprechend geschmälert, deshalb müssen sie beim Vergleich mit den Vorjahreszahlen ausgeklammert werden. Von den Nichtzahlern sind dabei nur knapp 1.200 Hilfebedürftige.
  • 28.100 Verträge betreffen vorher nicht-versicherte Personen, sind also ein Sondereffekt aufgrund der ab 2009 eingeführten Pflicht zur Versicherung.
  • 1.500 Verträge sind reine Anwartschafts-Versicherungen für einen späteren Eintritt in die PKV.
    Der mit den Vorjahren vergleichbare echte Nettozugang beträgt 2009 nach Abzug dieser Sondereffekte rund 99.000 vollversicherte Personen. Im Vergleich zum Vorjahreswert ist das aber immer noch mehr als eine Verdopplung.


Zusatzversicherungen

Auch die Zusatzversicherungen wurden deutlich stärker nachgefragt: 2009 wurden 730.000 neue Policen abgeschlossen, so dass zum Jahresende insgesamt 21,71 Millionen Verträge bestanden. Das ist ein Plus von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Dies zeigt: Die PKV ist in der Vollversicherung und in der Zusatzversicherung weiterhin auf Wachstumskurs, weil sich immer mehr Menschen privat versichern wollen. Und es würden noch viel mehr Menschen in die private Krankenversicherung kommen, wenn der Gesetzgeber das nicht verhindern würde. Er hat die Einkommenshürden für Arbeitnehmer immer höher gezogen. Für 2010 wurde die Versicherungspflichtgrenze gerade erst auf 49.950 Euro Jahreseinkommen erhöht.


Zudem wurde diese Hürde für einen Wechsel gesetzlich Versicherter in die PKV 2007 quasi verdreifacht. Seitdem müssen Arbeitnehmer eine Drei-Jahres-Wartefrist hinnehmen, bevor sie endlich in die von ihnen gewünschte Versicherung gehen dürfen. Die schädliche Wirkung der 3-Jahres-Frist ist übrigens nicht vorüber, nur weil seit ihrer Einführung inzwischen drei Jahre vergangen sind. Der Schaden entfaltet sich für jeden Versicherten-Jahrgang aufs Neue. Die Versicherten werden drei Jahre älter, damit wird der Zeitraum für den Aufbau ihrer Alterungsrückstellungen und den Zinseszins-Vorteil kürzer. Dies hat zur Folge, dass der Einstiegsbeitrag höher wird.


Daher setzt die PKV auf Erfüllung der Zusagen aus dem Koalitionsvertrag, wonach die alte Rechtslage wieder hergestellt werden soll, so dass bei Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze der Wechsel in die PKV wieder unverzüglich erlaubt ist.


Einnahmen und Leistungen

Die Beitragseinnahmen in der Kranken- und Pflegeversicherung erreichten 2009 insgesamt 31,5 Milliarden Euro, das ist ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.


Die ausgezahlten Versicherungsleistungen haben sich 2009 in der Kranken- und Pflegeversicherung um 4,7 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro erhöht.
Im Interesse der Versicherten kann dieser deutliche Kostenanstieg in Zukunft nicht ungebremst so weitergehen. Die private Krankenversicherung fordert deshalb umfassende Vertragskompetenzen, damit sie in Verhandlungen mit allen Leistungserbringern eintreten kann. Die Branche will und muss wesentlich stärker Einfluss auf die Qualität und die damit verbundenen Mengen und Preise der Gesundheitsleistungen nehmen.


Pflegeversicherung

In der Pflegeversicherung waren Ende 2009 insgesamt 9,51 Millionen Menschen privat pflegeversichert, ein Plus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Versichertenzahl in der Pflegeversicherung weicht von der Zahl in der Krankheitsvollversicherung ab, weil auch einige freiwillig gesetzlich Versicherte sowie die Versicherten der Postbeamtenkrankenkasse und der Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten privat pflegeversichert sind.


Die Pflegezusatzversicherung verzeichnete 2009 einen Zuwachs um 12,5 Prozent. Die Notwendigkeit einer zusätzlichen Absicherung für den Pflegefall rückt zunehmend stärker ins Bewusstsein der Menschen. Allerdings besteht bei insgesamt 1,48 Millionen Verträgen bezogen auf die Gesamtbevölkerung nach wie vor ein großer Nachholbedarf.


In der Pflegeversicherung haben sich die ausgezahlten Versicherungsleistungen 2009 um 9,1 Prozent erhöht. Dieser starke Anstieg hat vor allem zwei Ursachen:

  • Zum einen ist am 1. Juli 2009 die gesetzliche Ausweitung der Pflege-Versicherungsleistungen in Kraft getreten.
  • Zum anderen sind auch die Kosten für die gesetzlich vorgeschriebene Pflegeberatung hinzugekommen.


Alterungsrückstellungen
Die Alterungsrückstellungen betrugen Ende 2009 für die Krankenversicherung rund 124 Milliarden Euro und für die Pflegeversicherung rund 20 Milliarden Euro – insgesamt also rund 144 Milliarden Euro. Das bedeutet eine Steigerung um 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.


Die Kapitaldeckung der PKV hat auch die jüngste Finanzkrise unbeschadet überstanden. Natürlich hat die Krise die Nettoverzinsung der Unternehmen im Jahr 2009 belastet. Dennoch konnten alle Unternehmen auch diesmal den Rechnungszins bedienen – übrigens genauso wie in jedem Jahr seit dessen Einführung 1949. Das zeigt, wie verlässlich die Anlagepolitik der Branche ist.

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