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PKV PUBLIK AUSGABE 2/2010

PRÄVENTION

Die Zahl von Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen nimmt zu

Der Alkoholkonsum bei Jugendlichen insgesamt war zuletzt rückläufig. Gleichzeitig wird jedoch das Rauschtrinken immer beliebter. Eine von der PKV unterstützte Kampagne will dieser Enwicklung entgegen wirken und wird in der Zielgruppe gut angenommen.

Es ist noch lange kein Grund zur Entwarnung, lässt aber doch auf eine positive Wendung hoffen: Der Alkoholkonsum junger Menschen ist laut einer Repräsentativ-Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aus dem Jahr 2008 leicht rückläufig. Nach der Befragung trinken 17,4 Prozent der 12- bis 17- Jährigen regelmäßig Alkohol. Im Jahr 2004 waren es noch 21,2 Prozent. Auch die Häufigkeit eines Alkoholrausches ist bei den 12- bis 17-Jährigen gesunken. Betranken sich im Jahr 2007 noch 26 Prozent der Jugendlichen mindestens einmal pro Monat, so ging ihr Anteil im Jahr 2008 auf 20 Prozent zurück.


Dennoch: In der Altersgruppe der 12-  bis 17-jährigen trinken sich eine Million Jugendliche mindestens einmal im Monat in einen Rausch, 300.000 Jugendliche sogar einmal pro Woche. Und das, obwohl die meisten von ihnen nach dem Jugendschutzgesetz noch gar keinen Alkohol trinken dürfen. Zwar wird insgesamt etwas weniger häufig getrunken, zugleich aber ist die Anzahl der wegen einer akuten Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingelieferten Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Jahr 2009 um elf Prozent, also deutlich gegenüber dem Vorjahr, gestiegen. Insgesamt waren es 25.700 Patientinnen und Patienten im Alter zwischen 10 und 20 Jahren. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist die Zahl sogar um 170 Prozent gestiegen. Damals waren rund 9.500 junge Patientinnen und Patienten mit der Diagnose „akute Alkoholintoxikation“ stationär in Behandlung.


Immer mehr Jugendliche werden wegen Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt

Bei den Minderjährigen sind es vor allem die 16 und 17 Jahre alten männlichen Jugendlichen, die sich besonders riskant verhalten, wie die Repräsentativ-Erhebung der BZgA belegt. Im Durchschnitt trinken sie 128,7 Gramm Alkohol pro Woche. Das sind fast zwei Gläser (z.B. Bier) pro Tag. Es scheint sich hier um ein Alter zu handeln, in dem besonders gerne und viel die Wirkung von Alkohol ausprobiert wird. Gerade bei diesen Jugendlichen besteht jedoch die Gefahr, dass das Experimentieren in einen regelmäßigen Konsum übergeht.


Zudem unterschätzen in dieser Altersgruppe viele die Risiken eines Alkoholrausches. So verschlechtert sich im Rauschstadium die Sehfähigkeit, die Sprache wird undeutlich und die Reaktionsfähigkeit nimmt rapide ab. Das Unfallrisiko ist zehnmal höher als unter nüchternen Bedingungen. Außerdem nimmt die Gewaltbereitschaft zu. Lebensgefährlich wird es, wenn innerhalb kurzer Zeit sehr viel Alkohol getrunken wird. Denn dann fehlt dem Körper die Zeit, sich durch Übelkeit und Erbrechen gegen das Zellgift zu wehren. Der hohe und schnelle Konsum von Alkohol kann zu Atemstillstand und letztlich zum Tod führen.


Darüber hinaus hat Alkohol eine enthemmende Wirkung, wodurch Jugendliche schnell in riskante Situationen geraten können. Laut einer Umfrage der BZgA ist Alkohol einer der entscheidenden Gründe dafür, dass Jugendliche beim Geschlechtsverkehr nicht verhüten: Etwa jedes fünfte Mädchen und jeder zehnte Junge zwischen 14 und 17 Jahren verzichten unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen Suchtmitteln auf ein Kondom. So steigt die Gefahr, sich mit dem HI-Virus oder anderen sexuell übertragbaren Infektionen anzustecken.


Die wichtigsten Gründe, die Jugendliche für ihren Alkoholkonsum angeben, sind laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung „Spaß haben“ und „Cool sein“. Natürlich spielen auch noch weitere Faktoren eine Rolle, wie weniger schüchtern zu sein, abzuschalten und sich zu entspannen, sich selbstbewusster zu fühlen, erotisch anziehender und leistungsfähiger zu sein, mit anderen besser reden zu können oder einfach, weil es alle machen.


Die Präventionskampagne verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger

Angesichts der Gefahren des Alkoholkonsums von Jugendlichen hat die private Krankenversicherung (PKV) im Jahr 2009 gemeinsam mit der BZgA ein umfassendes Präventionsprogramm aufgelegt. Mit 10 Millionen Euro im Jahr finanziert die PKV Maßnahmen, die Jugendliche auf die Gefahren des Alkoholkonsums hinweisen. Dabei kommt es vor allem darauf an, die Jugendlichen glaubwürdig und zielgruppengerecht anzusprechen. Das ist mit der Kampagne „Kenn´Dein Limit“ gelungen. Das Video zur Kampagne ist inzwischen mehrfach ausgezeichnet worden und wird in Internetforen von vielen Jugendlichen diskutiert. Die dazu gehörigen Poster und Sticker werden bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in großer Zahl nachgefragt. Und auch die so genannten Peers, die mit Jugendlichen unter anderem auf Konzerten und in Clubs über Alkohl sprechen, kommen in der Zielgruppe gut an. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Aufklärung. Es wird vermieden, mit moralischem Zeigefinger aufzutreten. Denn nur so können die Jugendlichen erreicht und damit ein nachhaltiger Rückgang ihres Alkoholkonsums erzielt werden.

www.kenn-dein-limit.info

Es gibt keine risikoarme Menge

In Studien konnte nachgewiesen werden, dass bei Jugendlichen, die sich häufig betrinken, ein Hirnareal, das als Hippocampus bezeichnet wird, deutlich verkleinert ist. Der Hippocampus trägt entscheidend dazu bei, dass Informationen vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis übergehen, damit wir uns neu Erlerntes auch wirklich merken. Funktioniert der Hippocampus nicht richtig, ist die Lernfähigkeit gestört. Doch auch kleinere Alkoholmengen, die noch keinen Vollrausch zur Folge haben, können die Hirnchemie nachhaltig beeinflussen. Aufgrund der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse wurden jüngst die Empfehlungen für den Umgang mit Alkohol beispielsweise in Australien oder Großbritannien überarbeitet. Demnach wird Jugendlichen bis zur Volljährigkeit empfohlen, gar keinen Alkohol zu trinken, da die Wissenschaft keine Grenze definieren kann, die für junge Menschen als risikoarm bezeichnet werden kann.

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Poster Alkoholprävention Kenn dein Limit