GASTKOMMENTAR
Pflege: Bürger vertrauen der Kapitaldeckung
Die Mehrheit der Bürger zieht eine kapitalgedeckte Komponente in der Pflegeversicherung einer Ausweitung der Umlagefinanzierung vor.
Von Dr. Oliver Gaedeke
In Anbetracht der demografischen Entwicklung warnen viele Experten aus fast allen politischen Lagern vor den steigenden Pflegekosten. Auch das Bundesgesundheitsminsterium muss sich notgedrungen Gedanken über die Finanzierung der zu erwartenden Kostensteigerungen für pflegebedürftige Bundesbürger machen.
Die wesentliche Frage, die sich der Gesetzgeber für die Lösung dieses Finanzierungsproblems derzeit stellt, betrifft die Wahl zwischen einer Ausweitung der bisherigen umlagefinanzierten gesetzlichen Pflegeversicherung oder einer kapitalgedeckten Pflegeversicherung. Letzteres hat zumindest bei den Betroffenen eine Mehrheit. Dieses Ergebnis gab eine Befragung der YouGovPsychonomics AG im Januar 2010 unter 1.000 Bundesbürgen über 18 Jahren, die mehrheitlich für die kapitalgedeckte Aufstockung der Pflegeversicherung plädierten.
Aktuell bevorzugt jeder vierte Bürger die Einführung einer privaten Pflegeversicherung. Dem alternativen Vorschlag, das drohende Finanzierungsproblem durch eine Erhöhung der Beiträge zur staatlichen Pflegeversicherung zu lösen, hält dagegen lediglich jeder Fünfte für wünschenswert. Der hohe Anteil der Unschlüssigen deutet darauf hin, dass viele – insbesondere jüngere – Bundesbürger das aufkommende Finanzierungsproblem noch nicht realisiert haben und praktisch ausblenden.
Die mehrheitliche Akzeptanz für private Vorsorgeprodukte im Gesundheitsbereich spiegelt sich auch in den kontinuierlichen Messungen zum Absatzpotenzial für Versicherungsprodukte wider. Die grundsätzliche Bereitschaft, eine private Pflegezusatzversicherung abzuschließen, entwickelt sich bereits seit Ende 2009 positiv. Und auch attraktive Angebote im Bereich der privaten Kranken- und Krankenzusatzversicherungen stoßen auf Kundenseite auf zunehmendes Interesse. Den aktuellen Quartalsmessungen des „Assekuranz Absatzpotenzial-Index“ (ASSDEX) der YouGovPsychonomics AG zufolge stieg die Nachfrage in der Sparte Kranken- und Pflegeversicherungen auf inzwischen sechs Prozent, ein Jahr zuvor dachten lediglich drei Prozent aller Befragten über einen Neuabschluss in dieser Sparte nach.
Auch die unabhängigen Finanz- und Versicherungsmakler berichten Ende 2009 von einer verstärkten Nachfrage nach privaten Kranken- und Pflegeversicherungen. So berichteten im Januar 2010 15 Prozent (in den drei Quartalen vorher: 11 Prozent) der Versicherungsmakler, dass eine private Pflegeversicherung häufig nachgefragt wird (YouGovPsychonomics Maklerabsatzbarometer 2005-2010).
Insgesamt steht die deutsche Versicherungswirtschaft derzeit in einer historisch betrachtet einmaligen Situation, dass ihr von Verbrauchern mehr Vertrauen als manchen Banken und auch staatlichen Vorsorgelösungen entgegen gebracht wird. In einer aktuellen Markenanalyse der YouGovPsychonomics AG wird dies besonders deutlich: Durchweg erhalten deutsche Versicherungsgesellschaften hohe Zustimmungen auf der Dimension „Balance“, die Attribute wie pflichtbewusst, bodenständig oder traditionell vereint und der wesentliche Treiber für den Kauf- bzw. Abschlussanreiz einer Versicherungsmarke darstellen (YouGovPsychonomics Markenbarometer Assekuranz 2010). Parallel dazu erwartet der Privatkundenmarkt jedoch auch einen Blick in die Zukunft. Modern, tolerant und kreativ sollten Versicherungsmarken danach auch sein, um eine möglichst hohe Akzeptanz bei Neu- und Bestandskunden zu erzielen. Private Pflegeversicherungen sind ein Baustein einer zukunftsorientierten Lösung für Privatkunden, die einen hohen prospektiven Anreiz erzeugen.
Vorstand,
YouGovPsychonomics AG