DIALOG
Im Gespräch: Dr. Michael Philippi, Vorstandsvorsitzender der Sana Kliniken AG
Der Patient wird zum Maßstab für die beste Qualität
Gemeinsam mit zwei der größten deutschen privaten Krankenhausträger wird die Sana Kliniken AG ab Sommer 2010 ein neues trägerübergreifendes Klinikportal im Internet in Betrieb nehmen. Zudem hat Sana mit dem PKV-Verband eine Vereinbarung zu einem sektorübergreifenden Versorgungsmanagement getroffen. Dr. Michael Philippi sprach mit PKV Publik über beide Projekte.
Worüber können sich ihre potentiellen Patienten auf der neuen Internet-Plattform genau informieren?
Philippi: Wir entwickeln ein Klinikportal, bei dem Nutzer ohne medizinisches Fachwissen die Qualität von Krankenhäusern nach objektiven Kriterien und individuellen Bedürfnissen leichter und schneller als bisher vergleichen können. Die Bewertung einer Klinik wird bis zu 400 Qualitätsindikatoren umfassen, die aus den Dimensionen Medizinische Qualität, Patientensicherheit, Patientenzufriedenheit und Einweiserzufriedenheit zusammengestellt werden. Damit bildet das Portal mehr Ergebnisse ab als jedes vergleichbare Portal in Deutschland. Bei der Gestaltung legen wir besonderen Wert auf eine übersichtliche und klare Struktur. Jeder Patient soll rasch die für ihn geeignete Klinik finden.
Was sind die maßgeblichen Kriterien für Qualität, die in eine Klinikbewertung einfließen?
Philippi: Für die Dimension „Medizinische Qualität“ werden alle Indikatoren der gesetzlich verpflichtenden Qualitätssicherung veröffentlicht. Daneben werden 20 Indikatoren aus Abrechnungsdaten, den sogenannten „Routinedaten“ einbezogen. Die Indikatoren zur „Patientensicherheit“ bilden Themen ab, die in den vergangenen Jahren vom Aktionsbündnis Patientensicherheit aufgegriffen und als besonders relevant für eine sichere Patientenbehandlung definiert wurden. So wird für die operativen Abteilungen bewertet, ob alle Elemente der WHO-Sicherheits-Checkliste zur Anwendung kommen. Für die Patienten- und Einweiserzufriedenheit wurden Fragebögen entwickelt. Diese Vielzahl von qualitätsbezogenen Informationen wird zu einer Gesamtbeurteilung verdichtet. Das Besondere ist, dass der Nutzer des Portals seine individuellen Präferenzen in die Bewertung einfließen lassen kann, indem er die Gewichtung der einzelnen Dimensionen verändert.
Sie haben die Initiative mit zwei anderen privaten Klinikbetreibern (Rhön und Asklepios) gegründet. Können sich weitere Kliniken anschließen?
Philippi: Sie sollen sich sogar anschliessen. Das neue Klinikportal ist offen für jedes Krankenhaus. Unabhängig von Größe und Trägerschaft erhalten alle Kliniken die Möglichkeit, ihre Qualität auf qualitätskliniken.de zu präsentieren. Als erste kommunale Häuser haben sich bereits die Städtischen Kliniken in München und Esslingen angeschlossen. Wir sind mit zahlreichen weiteren Krankenhausträ-gern im Gespräch.
Es besteht ja schon eine Reihe von Internetportalen zur Kliniksuche. Warum investieren Sie in ein eigenes Portal?
Philippi: Derzeit ist es für Patienten, deren Angehörige und Ärzte fast unmöglich, sich über die Leistungsfähigkeit und Qualität einer Klinik objektiv zu informieren. Auch die bereits im Internet bestehenden Suchmaschinen oder Portale gehen über den Informationsgehalt der gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsberichte kaum hinaus oder sind regional eingeschränkt. Teilweise sind sie werbefinanziert und lassen damit Zweifel an der Objektivität entstehen. Eine überregionale, umfassende und objektive Darstellung der Behandlungsqualität und der Zufriedenheit von Patienten und Ärzten ist bisher nicht etabliert. Diese Lücke wollen wir schließen. Nach einer umfangreichen nationalen und internationalen Marktanalyse haben wir uns mit Asklepios und Rhön für die gemeinsame Initiative unter dem Dach des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken entschieden. Unsere Plattform ist die einzige, die einen vierdimensionalen Blick auf die Leistung der Krankenhäuser zulässt. Damit rücken wir letztlich nicht unsere eigene oder eine weitere Meinung, sondern die Erfahrung des Patienten und der einweisenden Ärzte in den Mittelpunkt unserer Qualitätspolitik. Der Patient selbst wird zum Maßstab für die beste Qualität.
Mit dem PKV-Verband haben Sie mit „AUTARK PRIVAT“ eine Vereinbarung zum sektorübergreifenden Versorgungsmanagement getroffen. Um welche Kooperation handelt es sich dabei?
Philippi: „AUTARK PRIVAT“ ist ein deutschlandweit einzigartiges telemedizinisches Versorgungsprogramm speziell für Herzpatienten nach Koronar- oder Herzklappen-Operationen. Menschen, für die eine stationäre Rehabilitation aus beruflichen oder privaten Gründen nicht in Frage kommt, erhalten in ihrer häuslichen Umgebung eine ambulante, telemedizinisch unterstützte Rehabilitation. Das Programm ist umfassend klinisch erprobt und wird durch das Institut für angewandte Telemedizin im Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen überwacht, dem Kompetenzzentrum für Telemonitoring der Sana Kliniken AG. Die entscheidenden Vorteile der ambulant-telemedizinischen Versorgung liegen neben einer dauerhaften Steigerung der Therapie-Treue der Patienten, im optimalen Informationsfluss sowie einer signifikanten Kostenersparnis. Studien belegen außerdem: Gelerntes wird direkt umgesetzt und die telemedizinische Begleitung gibt Selbstvertrauen im Alltag.
Welche technische Ausstattung benötigt ein Patient, um an „AUTARK PRIVAT“ teilnehmen zu können?
Philippi: Lediglich eine Telefonleitung. Noch in der Klinik erhält unser Patient eine umfassende Einführung sowie Trainingspläne, die auf ihn persönlich zugeschnitten sind. Zuhause angekommen wird ein passendes Ergometer frei Haus geliefert und bei Beendigung des Programms auch wieder abgeholt. Daran wird ein Modem für die Übertragung des EKG angeschlossen. Das Programm läuft über 12 Wochen. Die Übersendung und Auswertung der Daten erfolgt durch das Institut für Telemedizin ganz nach den Terminwünschen des Patienten und wird ermöglicht durch eine 24-Stunden-Betreuung. Während des Programms geht der Patient in regelmäßigen Abständen zu seinem Hausarzt oder Facharzt, der damit engmaschig in die Nachbehandlung eingebunden ist.
Das Krankenhausportal wird im Sommer 2010 in Betrieb gehen: www.qualitätskliniken.de
Vorstandsvorsitzender der Sana Kliniken