Er wusste mehr über Blut als alle anderen. Und er lehnte es ab, Blut wegen altertümlicher Ehrbegriffe zu vergießen. Der Berliner Pathologe, Volkshygieniker und Politiker Rudolf Virchow (1821 - 1902) hatte 1865 den preußischen Ministerpräsidenten Bismarck im Parlament mehrfach scharf kritisiert. Der spätere Reichskanzler forderte ihn darauf zum Pistolen-Duell. Zur Entrüstung einer breiten Öffentlichkeit, die dies für unmännlich hielt, lehnte Virchow ab. Damit schonte er aber nicht nur das eigene Leben: Sein langes, produktives Weiter-Wirken rettet bis in unsere Tage Millionen von Menschen. An der Berliner Charité entdeckte er unter anderem die Ursachen für die Entstehung von Thrombosen, eine der am meisten gefürchteten postoperativen Komplikationen. Ob Blutverdünnungsmittel oder Stützstrümpfe: Alles, was heute zur Verhinderung von Thrombosen und Embolien dient, ist Virchows Erkenntnissen zu verdanken.