Nur in einem war er maßlos: in seiner Kritik an der etablierten Ärzteschaft. Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493 - 1541), hielt seine Kollegen fast durchweg für Ignoranten und gewissenlose Geschäftemacher. Äußerst maßvoll hingegen war er beim Dosieren von Arzneimitteln für seine Patienten. Zu einer Zeit, in der viele Ärzte die Kranken auf gut Glück mit Aderlässen und Schröpfkugeln traktierten, plädierte Paracelsus für eine ausgedehnte Untersuchung, die den Zustand der Patienten ebenso in den Blick nahm wie den Verlauf ihrer Krankheit. Sein Spruch "Die Dosis macht das Gift" markiert den Beginn der modernen Arzneitmittelforschung. Doch Paracelsus erkannte auch, dass einige seiner Mittel vor allem deshalb wirkten, weil die Kranken ihm persönlich vertrauten. Wenn heute also Ärzte ihre Patienten nicht nur abhören, sondern ihnen auch zuhören, folgen sie Paracelsus als einem der Begründer der Psychomatik.