Es war mehr als ein Selbstversuch. Es war ein Versuch mit dem Liebsten, was er hatte: dem eigenen Kind. Beim Spielen mit einer Nadel hatte sich die vierjährige Tochter des Chemikers Gerhard Domagk (1895 - 1964) an der Hand verletzt und eine lebensgefährliche Infektion zugezogen. Die Ärzte wollten bereits den Arm amputieren – Anfang der 1930er Jahre die gängige Methode, um das Leben des Mädchens zu retten.
Da entschloss sich Domagk zum Experiment. In seinem Institut hatte er kurz zuvor die antibakteriellen Eigenschaften eines Farbstoffs nachgewiesen, allerdings nur bei Mäusen. Nun entschied sich der verzweifelte Vater, seine Tochter mit dem sulfonamid-haltigen Stoff zu behandeln. Und er hatte Erfolg. So entstand dank Domagks Wagemut das erste Breitband-Medikament gegen bakterielle Infektionen. Die Ärzte hatten endlich eine wirksame Waffe gegen Krankheiten wie Blutvergiftung und Lungenentzündung.